Sacht ma‘, „bürgerliche Parteien“… hackt’s?!

Realitätsverweigerung scheint ja im politischen Betrieb eine weit verbreitete Krankheit zu sein. Oder alternativ demonstrativ die Faktenlagen zu ignorieren, wenn sie nicht in den Kram passen. So trompetete auch AKK heute abend wieder fröhlich wider besseren Wissens durch die Gegend, Herr Ramelow hätte auch nach einer Neuwahl in Thüringen keine Chancen auf eine Mehrheit – und überhaupt sei der Linke ja ein Ministerpräsident, der das Land spalte statt zu einen. Blöd nur, dass sämtliche Umfragen nach der Kemmerich-Rochade genau das Gegenteil zeigen: Der Großteil der Thüringer Bürger wünscht sich den bisherigen Landesvater zurück. Die Linke profitiert vom – nennen wir es mal diplomatisch – ungebührlichen Verhalten der selbsternannten „bürgerlichen Parteien“, während die CDU krachend an Zustimmung verliert. Die FDP würde bei einer Neuwahl an der 5%-Hürde scheitern, die sie schon bei der regulären Wahl nur mit etwa 70 Stimmen übersprungen hat.

Von daher ist die Motivation der führungsschwachen CDU-Vorsitzenden AKK und des überforderten FDP-Sunnyboys Lindner natürlich klar, weshalb Neuwahlen in jedem Fall verhindert werden sollen. Demut vor der eigenen Dämlichkeit sieht anders aus. Denn spätestens nachdem AfD-Rechtsausleger „Bernd“ Höcke machtgeifernd den Bückling in Richtung CDU/FDP machte, mussten diese mit fieser Taktierei seitens der Blaubraunen rechnen. Im Nachhinein rausreden kann sich also niemand. Zumal die Strategie der AfD stets auf maximale Zersetzung der politischen Konkurrenz ausgelegt ist. Oder behauptet hier etwa jemand, die „Völkischen“ würden sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit durch Sacharbeit und konstruktive Inhalte verdienen?

Die Unterstellung einer kindesgleichen Naivität der Ewiggestrigen… pardon: Konservativen und den ach so modernen Quietschgelben ist in Anbetracht der folgenden Stunden und Tage auch eher unangebracht. Denn wären die Stimmen von rechts so unerwartet eingetrudelt, wie man es dem erschrockenen Gutmensch-Bürger glaubhaft machen wollte, wäre das sofortige Ziehen der Reißleine unumgänglich gewesen. Aber man wollte wohl erstmal testen, ob man nicht vielleicht doch damit durchkommt – oder die Zeit Wunden heilt. Die Siegesgier über Bodo Ramelow, den personifizierten Dämon aller recht(s)schaffenen „Bürgerlichen“ vermochte dann auch nicht der Blumenstrauß zu dämpfen. den Susanne Hennig-Welsow stellvertretend für alle Empörten vor Kemmerichs Füße schmiss.

Zumal der ach so oft referenzierte Wählerwille nach der vergangenen Wahl sicherlich so einiges an Fragezeichen hergab… aber als Ausrufezeichen sicherlich keinen Regierungsauftrag an die gerade so 5%-Partei FDP. In diesem Sinne wäre es diesmal wirklich besser gewesen, nicht zu regieren, als falsch zu regieren, Herr Lindner.

Womit wir wieder beim Realitätsverlust wären… denn unter weiterer konsequenter Ignoranz ebendieser versuchen CDU/FDP nun noch, SPD und Grüne zu einer gemeinsamen Zusammenarbeit zu bewegen – also jene, die loyal in einer quasi-beschlossenen Koalition mit Ramelow standen. Fragt sich also nun… wer ist hier spalterisch, Frau Kramp-Karrenbauer?

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